kunst.macht.kulturpolitik.

Die öffentliche Kulturpolitik steht vor neuen Herausforderungen. In der Produktion, Vermittlung und Vermarktung künstlerischer Werke und Produkte zeichnen sich Entwicklungen ab, die das gewohnte Gefüge im Bereich von Kunst, Markt und Staat verschieben. Junge KulturproduzentInnen und KünstlerInnen binden sich immer weniger an das ›Referenzsystem‹ staatlicher Kulturförderung, sondern verstehen sich zunehmend als UnternehmerInnen und Selbständige. Auch bei der Herstellung kultureller Angebote gewinnt der Markt eine zunehmende Bedeutung.

Hinzu kommt, dass die kulturellen Szenen und Milieus von heute nur noch wenig gemein haben mit dem Konstrukt einer bürgerlichen Öffentlichkeit, auf die sich die Kulturpolitik lange bezogen hat. Als Ergebnis gesellschaftlicher Differenzierungs- und Pluralisierungsprozesse haben wir es vielmehr mit zersplitterten Öffentlichkeiten zu tun und nicht mehr mit einer homogenen kulturtragenden Schicht.

Trotz dieser gravierenden Veränderungen besteht der Eindruck, dass Kulturpolitik heute mehr denn je damit beschäftigt ist, die Risse im traditionellen Gefüge der Institutionen auszubessern und das für ihren Betrieb und ihre Unterhaltung notwendige Budget zusammenzubringen. Die Frage ist, ob dies ausreichend ist, oder ob es für den Bestand und die Weiterentwicklung der öffentlich geförderten Kulturlandschaft in Deutschland nicht notwendig wäre, neue Strukturen und zeitgemäße Konzepte durchzusetzen, die den Veränderungen im künstlerischen und kulturellen Bereich Rechnung tragen.

Auf dem Programm des Kongresses steht die Formulierung kulturpolitischer Perspektiven. Den Künsten kommt dabei eine besondere Rolle zu, weil es ihre Entwicklungsmöglichkeiten sind, die zur Diskussion stehen. Wie können die neuen Strömungen und Tendenzen der Kunst die ihnen angemessene Aufmerksamkeit finden? Welche Orte brauchen sie? Auf welches Publikum treffen sie? Sind die Instrumente der Kulturförderung noch zeitgemäß und werden sie den Veränderungen der Kunstproduktion und -vermittlung sowie der kulturellen Öffentlichkeit gerecht? Können sich die Theater und Museen als traditionelle Kulturorte wieder stärker den gesellschaftlichen Wandlungsprozessen öffnen oder sollten sie lieber weiter als ›Arsenale des Gelungenen‹ fungieren. Und schließlich: Welche Zukunft haben die Berufe der Kulturdezernenten, Kulturverwalter, Kulturmanager...?

Ziel des Kongresses ist es, diese und andere Fragen gemeinsam mit KünstlerInnen, (Kultur-)PolitikerInnen, WissenschaftlerInnen und KulturmanagerInnen zu diskutieren. Es geht darum, Handlungsbedarf für Kulturpolitik heraus zuarbeiten, der sich aus den Veränderungen der Kunstproduktion, -vermittlung und -vermarktung ergibt, und den Gestaltungswillen und -anspruch dieses Politikbereichs auf den Prüfstand zu stellen. Im Zentrum des Kongresses steht der Dialog zwischen KulturpolitikerInnen und KünstlerInnen, der allzu lange nur am Rande der kulturpolitischen Diskussionen stattgefunden hat. Wir danken allen, die bei diesem Kongress mitwirken und an der Vorbereitung beteiligt waren. Ein besonderer Dank gilt Herrn Bundespräsident Johannes Rau für seine Einladung zum Empfang in das Schloss Bellevue am Abend des ersten Kongresstages.

Dr. Oliver Scheytt Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft

Thomas Krüger Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung

Axel Schmidt-Gödelitz Leiter Forum Berlin der Friedrich-Ebert-Stiftung

György Konrád Präsident der Akademie der Künste